Politik


1. The Great Reset

 Was steckt dahinter?

 

Die Welt hat sich in den vergangenen sechs Monaten auf historische Weise verändert. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte ist die globale Wirtschaft vorsätzlich fast komplett zum Stillstand gebracht worden. Dadurch sind Schäden entstanden, deren Folgen in den kommenden Wochen und Monaten alles übertreffen werden, was die Menschheit bisher in Friedenszeiten erlebt hat.

Das aber scheint nur der Anfang. Es mehren sich die Anzeichen, dass uns nicht etwa eine Korrektur dieses Kurses, sondern seine Fortsetzung und sogar seine Verschärfung bevorstehen. Die vor einem halben Jahr gebildete Allianz aus Wissenschaftlern, Medien und Politikern, die den Lockdown bewirkt hat, nutzt zur Zeit jede erdenkliche Möglichkeit, um die „zweite Welle“ der Pandemie heraufzubeschwören – und das, obwohl die erste Welle zu keinem Zeitpunkt die vorausgesagten horrenden Ausmaße angenommen, sondern sich durchweg im Rahmen früherer Influenza-Pandemien bewegt hat.

Da selbst bei viel gefährlicheren Krankheitsausbrüchen der Vergangenheit nicht einmal annähernd so umfangreiche Maßnahmen zu deren Eindämmung verfügt wurden wie im Falle von Covid-19, liegt der Verdacht nahe, dass hinter der vermeintlichen Sorge um die Gesundheit der Bevölkerung ganz andere Motive stecken könnten.

In der Tat gibt es zahlreiche Daten, Fakten und Entwicklungen, die diese Vermutung nicht nur stützen, sondern überaus wahrscheinlich erscheinen lassen. Man könnte sie unter dem Oberbegriff „The Great Reset“ – zu deutsch: „der große Neustart“ – zusammenfassen. Dessen Notwendigkeit sieht jedenfalls die finanzielle und politische Elite der Welt, deren führende Vertreter sich unter genau diesem Motto im Januar 2021 in Davos zum World Economic Forum (WEF) versammeln werden und die den Great Reset zum Leitmotiv für die vor uns liegende Zeit erklärt haben.

Und tatsächlich – ein alles umfassender Neustart steht an, und zwar aus zwei Gründen: Zum einen, weil der globale Finanzsektor in seiner aktuellen Form auf Dauer nicht mehr funktionsfähig ist, und zum anderen, weil die weltweite Realwirtschaft vor dem größten Umbruch ihrer Geschichte steht.

Hier die Einzelheiten:

Das globale Finanzsystem wird seit der Weltfinanzkrise von 2007/08 von den Zentralbanken der Welt nur noch künstlich am Leben erhalten, und zwar durch die kontinuierliche Senkung der Leitzinsen und die Geldschöpfung aus dem Nichts.

Das erste Mittel ist allerdings weitgehend ausgereizt, da die Zinsen fast überall bei Null angekommen sind. Eine weitere Senkung in den Negativbereich würde die Kreditvergabe zu einem Verlustgeschäft für die Banken machen und das Bankwesen daher von innen her zerstören.

Aus diesem Grund sind die die Zentralbanken gezwungen, auf das zweite Mittel, die Geldschöpfung, zurückzugreifen. Diese aber hat durch die Billionenzahlungen im Rahmen der Corona-Krise die ohnehin riesigen Blasen an den Finanzmärkten weiter aufgebläht und droht bei einer Fortsetzung dieser Politik die Kaufkraft der Währungen zu zerstören.

Da den Zentralbanken keine weiteren Mittel zum Erhalt des Systems zur Verfügung stehen, heißt das: Das gegenwärtige Geldsystem ist in seine Endphase eingetreten.

Noch dramatischer sieht es in der Realwirtschaft aus. Hier erleben wir durch die digitale Revolution zurzeit den größten Umbruch in der gesamten Geschichte der Menschheit.

Der Einsatz von künstlicher Intelligenz und die Robotisierung der Arbeit haben weitaus größere Folgen als die industrielle Revolution vor 250 Jahren. Konzerne und staatliche Behörden werden auf Grund der Digitalisierung gewaltige Entlassungswellen starten. Produkte aller Art – vom Zahnersatz über Elektroautos bis zum Fertighaus – können bereits jetzt an jedem Ort der Welt durch 3-D-Drucker hergestellt werden. Fabriken werden daher massenweise schließen und die Logistik zu Lande, zu Wasser und in der Luft wird weitgehend überflüssig werden. Zudem werden Home-Office und Home-Schooling ebenso zur neuen Normalität gehören wie Telemedizin und Kryptowährungen.

Diese Entwicklung wird weltweit hunderte Millionen von Arbeitsplätzen vernichten und damit die Lebensgrundlagen von ebenso vielen Menschen zerstören. Das wiederum hat fatale Konsequenzen, weil diese Menschen als Konsumenten und damit als Triebkraft für Wirtschaft und Handel und zudem auch noch als Steuerzahler ausfallen.

Da das bisherige Geldsystem auf der Wertschöpfung durch menschliche Arbeit basiert, entziehen die Künstliche Intelligenz und die Robotisierung ihm also den Boden. Statt nun aber das alte Geldsystem, das diesen neuen Gegebenheiten nicht mehr gerecht wird, abzuschaffen und ein neues einzuführen, tun diejenigen, die vom gegenwärtigen System am meisten profitieren, derzeit alles, um es zum eigenen Vorteil zu erhalten.

Dabei treffen sie aber auf ein riesiges Problem: Eine allmähliche Transformation der bestehenden Gesellschaft in die „neue Normalität“ wird innerhalb der Bevölkerung auf immer stärkere Widerstände stoßen, sehr wahrscheinlich soziale Unruhen und möglicherweise Volksaufstände oder sogar Bürgerkriege auslösen. Also müssen sich die Eliten eine andere Strategie überlegen, und genau das haben sie in den vergangenen Jahren intensiv getan. Das Ergebnis ihrer Überlegungen ist im Motto des kommenden WEF-Treffens enthalten und lautet: „The Great Reset“.

Dieser Reset ist nichts anderes als eine Art Schocktherapie, mit der die Veränderungen nicht allmählich, sondern innerhalb von kurzer Zeit durchgesetzt werden sollen. Und dazu haben die Eliten ganz offensichtlich in diesem Jahr den passenden Partner gefunden: das neue Corona-Virus.

Mit seiner Hilfe ist ein Sündenbock aufgebaut worden, dem sämtliche Maßnahmen in die Schuhe geschoben werden – vom Lockdown mit seinen Massenentlassungen über die Maskenpflicht bis zur Grenzschließung und der Zurückdrängung des Bargeldes. Offiziell ist es also nicht die Selbstsucht der Eliten, die die Veränderungen und Einschränkungen bewirkt, sondern ihre Sorge um das gesundheitliche Wohl der Bevölkerung – eine absurd anmutende Verdrehung der Tatsachen, die aber zurzeit von der Mehrheit der Menschen akzeptiert wird.

Was bedeutet das alles für unsere Zukunft?

Da bisher nur ein Teil der Veränderungen durchgesetzt wurde, wir uns also noch im Anfangsstadium des Great Reset befinden, erwarten uns mit großer Sicherheit weitere Verschärfungen der bisher durchgesetzten Maßnahmen. Genau dazu dürfte das Schüren von Angst und Panik angesichts einer zweiten Welle dienen. Sollte diese nicht ausreichen, werden die staatlich bestellten Virologen mit Sicherheit auf andere Bedrohungen, wie die soeben in China ausgebrochene Beulenpest, zurückgreifen.

Dass gerade Großbetriebe als „Hotspots“ für Infektionen ausgemacht werden und den verschiedensten Orten immer mehr lokale und regionale Lockdowns verordnet werden, dürfte auch kein Zufall sein. Diese Maßnahmen, wie auch die biometrische Erfassung der Menschen, dienen der gezielten Überwachung von potenziellen Krisenherden, und die wird in der kommenden Phase zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung von höchster Bedeutung sein.

Begleitet wird diese Entwicklung von einer ideologischen Kampagne, deren Ansätze man unter anderem auf der Homepage des WEF bestaunen kann. So werden Fabrikschließungen und der Zusammenbruch der Logistikbranche den Menschen wegen der dadurch wegfallenden Emissionen als „Klimaschutz“ verkauft. Das wegen der millionenfachen Arbeitslosigkeit notwendig werdende Helikoptergeld, das einzig und allein der Anfachung der Nachfrage dient, wird der Allgemeinheit als „bedingungsloses Grundeinkommen“ angepriesen. Und die Digitalisierung des Mittelstandes wird als Weg in eine gerechtere Zukunft idealisiert, obwohl es sich dabei um nichts anderes als die Unterordnung mittelständischer Unternehmen unter Internet-Plattformen handelt, deren Marktmacht derzeit ins Unermessliche wächst.

All das klingt extrem bedrückend und zeigt, dass die Finanzelite, also etwa 0,001 Prozent der Weltbevölkerung, dabei ist, den Rest der Menschheit in eine Art digitale Diktatur zu führen. Besonders bedrückend ist, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen sich dieser Entwicklung bisher nicht widersetzt.

Doch das dürfte sich in den kommenden Wochen und Monaten grundlegend ändern. Die Auswirkungen des Lockdowns und die weiteren Maßnahmen zur Eindämmung einer zweiten Welle werden so verheerende soziale und wirtschaftliche Folgen haben, dass viele derjenigen, die sich bisher nicht gerührt haben, durch eigene Erfahrungen immer stärker mit dem bestehenden System in Konflikt geraten werden.

Genau dieser Konflikt, der Millionen von Menschen betreffen wird, sollte von uns allen als Herausforderung begriffen werden, denn er bietet die einmalige Chance, eine große Zahl bisher Ahnungsloser darüber aufzuklären, dass der Great Reset nichts anderes ist als der Versuch, ein System am Leben zu erhalten, das sich historisch überlebt hat. Dessen weitere Fortführung nur einer winzigen Minderheit nützt, während es die Mehrheit in eine Zukunft führt, die einem digitalen Gefängnis gleicht, in dem die Entfaltung des Einzelnen von Algorithmen festgelegt, das soziale Zusammenleben überwacht und gesteuert und demokratische Freiheiten nur so weit erlaubt sein werden, wie sie dem Datentransfer von Hochfrequenzrechnern nicht im Wege stehen.

 

Quelle: Ernst Wolff: Buchtitel "The Great Reset"

 


2. The Great Reset 2

The Great Reset – Corona als Schrittmacher der 4. Industriellen Revolution

 

„Eines der wesentlichen Merkmale der vierten industriellen Revolution besteht nicht darin, dass sie die Art verändert, wie wir arbeiten. Diesmal sind wir es, die verändert werden.” (Klaus Schwab, Mastermind des World Economic Forum <1>)

Vielleicht haben Sie sich schon mal gefragt, warum die einschneidenden Beschränkungen unserer Entfaltungsmöglichkeiten durch das Corona-Regime auch dann immer noch fortdauern, wenn die Pandemie längst überstanden ist. Immer noch sind die Repressionen gegen das mittelständische Gewerbe erdrückend. Die allseits gefürchtete Creditreform warnte schon vor zwei Monaten vor der im Herbst anstehenden Insolvenzwelle. Möglichkeiten, sich politisch dagegen zu artikulieren, sind eiskalt abgeschaltet. Sollen wir hier noch an Zufälle glauben? An Missmanagement? Wohl kaum. Allzu zielgenau werden alle Entfaltungsmöglichkeiten des gesellschaftlichen Mittelbaus, also: gewerblicher Mittelstand, öffentlich-rechtliche und genossenschaftliche Wirtschaft behindert.

Bereits im März hatte der Chef der Vermögensverwaltungsgesellschaft BlackRock (Geschäftsvolumen: 7.4 Billionen Dollar) Lawrence „Larry“ Fink seinen Anteilseignern geschrieben, die Welt werde nach Corona nicht mehr dieselbe sein wie vorher, und es ergäben sich in der Post-Corona-Welt „gewaltige Investitionsmöglichkeiten“ <2>. Die Vermögensverschiebungen in den wenigen Monaten des Corona-Regimes sind gigantisch: Jeff Bezos, der Eigentümer von Amazon, hat während des Lockdowns sein Privatvermögen um schlappe 25 Milliarden US-Dollar vergrößern können. Mister Tesla Elon Musk wurde um 8 Milliarden Dollar reicher, und Eric Yuan, der Erfinder des Online-Konferenzformates Zoom, konnte um 2.58 Milliarden in einem Monat zulegen. 1990 verfügten 66 Milliardäre zusammen über 240 Milliarden Dollar. Heute besitzen 614 Milliardäre in den USA ein Vermögen von 2.947 Billionen Dollar. Sie besitzen damit in etwa so viel wie die unteren zwei Drittel der US-Bevölkerung.

In Deutschland ist die Vermögensungleichheit nicht ganz so erdrückend. Aber das kann ja noch kommen, wenn die Corona-bedingten Einschränkungen so weiter gehen wie bisher.

Es ist keine Übertreibung zu sagen: wir sind Zeugen einer gigantischen, schockartigen Umwälzung der Welt wie wir sie kennen, hin zu einer Neuordnung von dystopischen Ausmaßen. Ein Akt der „schöpferischen Zerstörung“. Also, die rücksichtslose Vernichtung von durchaus intakten Strukturen zugunsten der Errichtung neuer, zunehmend zentralisierter und inhumaner Strukturen. Die Vernichtung indianischer Hochkulturen können wir als Vergleich heranziehen. Oder die räuberische Übernahme der Allmenden und der Ackerflächen und deren Umwandlung in Weideland im England der frühen Neuzeit, aus der die Industrialisierung und das Proletariat hervorgingen. Oder die Vernichtung staatssozialistischer Wirtschaftsformen in der Dritten Welt in den 1960er und 1970er Jahren. Wir haben doch gar keinen richtigen Begriff, was jetzt gerade in Corona-gebeutelten Ländern wie Indien, Brasilien oder Nigeria los ist. Die Menschen fallen dort unabgefedert in die existenzielle Vernichtung. Auf die Pleite folgen unmittelbar Hunger und Tod.

Es gibt durchaus privilegierte Mitmenschen, die in den Verwerfungen des Corona-Regime-Elends in erster Linie exzellente Gelegenheiten wittern, die Welt ganz neu wieder aufzubauen. Natürlich von oben nach unten. Weg von der Natürlichkeit hin zu einer bis dato nicht vorstellbaren Künstlichkeit. Den Reset-Knopf drücken und eine neue Welt-Software hochladen. The Great Reset.

Nichts weniger hat sich das World Economic Forum vorgenommen, das jedes Jahr einmal als „Weltwirtschaftsgipfel“ im vornehmen Lungenkurort Davos zusammentritt. Alles was Rang und Namen hat, trifft sich dort. Monarchen, Politiker, Wirtschaftsführer, Wissenschaftler und nicht zu vergessen Medienleute. Doch das WEF arbeitet das ganze Jahr über und entwickelt Konzepte für den richtigen Kapitalismus. Der große Macher des WEF ist ein Deutscher, Klaus Schwab, ein Wirtschaftswissenschaftler aus Ravensburg. Und der betreibt zusammen mit seiner Frau die Schwab-Stiftung. Und diese Stiftung wiederum fördert sogenannte Sozialunternehmer wie z.B. den Erfinder des Mikrokredits Mohammad Yunus aus Bangladesh oder den Wikipedia-Gründer Jimmy Wales. Schwab will zeigen, dass soziales Engagement und profitorientiertes Wirtschaften miteinander vereinbar sind. Alles auf dieser Welt ist erfolgreich mit dem Gewinnstreben zu betreiben.

Wenn Schwab mit seiner kopfstarken Prätorianergarde das Davoser Auditorium entert, lauschen alle Mächtigen dieser Welt ehrfurchtsvoll dem Ravensburger Kapitalismuspapst, wenn er von seinem Thron aus verkündet: „Eines der wesentlichen Merkmale der vierten industriellen Revolution besteht nicht darin, dass sie unsere Tätigkeiten verändern. Diesmal sind wir es, die verändert werden.” <3> Die vierte industrielle Revolution ist Schwabs großes Thema. Darüber hat er ein Buch geschrieben, in dem wir lesen:

“Erstens spüre ich, dass das erforderliche Niveau der Führerschaft und des Verständnisses von den Veränderungen, die anstehen, unter allen Akteuren sehr gering ist im Verhältnis zu der Notwendigkeit unsere wirtschaftlichen, sozialen und politischen Systeme neu zu überdenken, um auf die vierte industrielle Revolution zu reagieren. Daraus ergibt sich sowohl auf der nationalen wie auch auf dem globalen Ebene, dass der geeignete institutionelle Rahmen, um die Verbreitung der Innovationen zu bewerkstelligen und die Verwerfungen abzumildern, im besten Falle ungeeignet und im schlimmsten Fall überhaupt nicht vorhanden ist.“

Zweitens fehle, so Schwab, das Narrativ, um den Leuten die neue Technowelt so attraktiv wie möglich zu verkaufen. Wenn man die Leute nicht mitnimmt, kommt es zu einer „Abwehrreaktion in der Bevölkerung gegen die fundamentalen Veränderungen, die bereits unterwegs sind.“ <4>

Klaus Schwab ist ein kluger Mann. Er sieht ganz klar, dass der Kapitalismus am Ende sein wird, wenn es so weiter geht wie bisher. Deshalb meint Schwab, dass nach der Phase des Staatskapitalismus, den er in Roosevelts New Deal und in der nachholenden Industrialisierung einiger Drittweltländer wirken sieht, und dem nachfolgenden Marktradikalismus (von ihm einfach „Liberalismus“ genannt) nun sein „Stakeholder Kapitalismus“ an der Reihe sei, in Abgrenzung zum Shareholder Kapitalismus. Das heißt: der kapitalistische Unternehmer ist nicht nur seinen Anteilseignern verpflichtet. Er muss auch das Umfeld mitnehmen. Für Genossenschaften und öffentlich-rechtliches Wirtschaften ist hier allerdings kein Platz. Das Profitprinzip muss jede Faser der Gesellschaft durchdringen.

Diese beiden Elemente: vierte industrielle Revolution und Stakeholder Kapitalismus, will Schwab jetzt im Schatten der Corona-Lähmung in einem Riesensprung nach vorne bringen. Darum soll der nächste Weltwirtschaftsgipfel 2021 in Davos unter dem Motto stehen: The Great Reset. Das soll ein Zwillingsereignis werden. Im Lungenkurort treffen sich wie gehabt ganz physisch und haptisch, wenn Corona das geschehen lässt, die nicht mehr ganz jungen Großen dieser Welt und ihre etwas jüngeren Schützlinge. Zeitgleich versammeln sich am Katzentisch der Videokonferenzen die jungen Stakeholder der Davoser Senioren. Die sind dann aus allen Ecken dieses Globus zugeschaltet. Bereits im April trafen sich im Internet nachwachsende Talente der schönen neuen Technowelt unter dem Motto „Reset Everything“ <5>. Euphorisierte Jünger der neuen künstlichen Plastikwelt. Es ging um 5G, Transhumanismus, Künstliche Intelligenz, Kryptowährung, Impfungen neuen Typs oder um Lebensverlängerung.

Nun also der Great Reset. Der ist jedoch nicht ganz vom Himmel gefallen. Bereits im Jahre 2015 hatten die Vereinten Nationen ihre Agenda 2030 verabschiedet, die wesentliche Elemente der jetzigen Welt-Neuordnung schon andeutet. Das wurde durch eine strategische Partnerschaft zwischen UNO und World Economic Forum im Juni 2019 noch einmal bekräftigt <6>. Die Partnerschaft zwischen Bill Gates und der Weltgesundheitsorganisation WHO hat hier ihre Entsprechung in der Modellierung der künftigen künstlichen Welt.

Und es ist überaus aufschlussreich, wer bei The Great Reset so alles mitmacht <7>. Da finden wir Jennifer Morgan von Greenpeace. Oder die Generalsekretärin des Weltgewerkschaftsbundes Sharan Burrow. Schon das große Eröffnungsvideo macht klar, wie die Hierarchie heutzutage ausgerichtet ist. Die einleitenden Worte spricht der große Vorsitzende Klaus Schwab von seinem Thron, verstärkt durch ein museales Mikrophon <8>. Ihm folgt Seine Königliche Hoheit Prinz Charles, der von einem viel zu hoch gehängten Teleprompter seine hölzernen Worte über den Schutz der Natur jetzt und gerade hier und keinesfalls später herunterleiert. Dann Schwabs Untergebener, der UNO-Generalsekretär António Guterres mit seiner phlegmatischen Grußadresse. Dann wieder der Kapitalismus-Papst himself, Klaus Schwab.

Und es ist schon interessant, welches Umfeld hier mitzieht. Lauter junge Start-Up-Unternehmer, versammelt im Top Tier Impact <9>, also etwa: die Schlagkraft der ersten Liga. Da finden wir Ingmar Rentzhog. Klingelt es? Rentzhog ist der junge schwedische Unternehmer, der die Klima-Pop-Ikone Greta Thunberg erfunden hat, und dann mit ihrem Namen für sein Startup „We don’t have Time“ zweistellige Millionenbeträge einsammelte <10>. Alex Bates von Neocortex Ventures investiert in Künstliche Intelligenz. Auch mit dabei beim Großen Reset ist der Jungunternehmerklub 500 Startups. Oder auch Webit <11>. Schon mal gehört? Webit betrieb, mit Ausnahme dieses Jahres, gigantische Kongresse, in denen aufregende Innovationen aus der schönen Welt der Computer und des Internets vorgestellt und preisgekrönt werden. Bis zu 15.000 Technikfanatiker treffen sich dort. Eine Attraktion war zum Beispiel die humanoide Sprechpuppe Sophia.

In einem Video aus der Vor-Reset-Zeit erläutert uns die Klaus-Schwab-Kirche die schöne neue Welt der absoluten Künstlichkeit. Da findet die Bioethikerin Nita Farahany, wie faszinierend es ist, dass man jetzt die Gedanken der Menschen auf dem Bildschirm visualisieren kann und dass es jetzt bald möglich ist, auch die „Black Box“ der innersten Gedanken der Menschen entziffern zu können. Die an Mephisto in der Verkörperung von Gustav Gründgens gemahnende Neuro-Ethikerin berät auch die US-Regierung in dem von Obama einberufenen Gremium BRAIN (Brain Research through advancing innovative Neurotechnologies). Denn auch die US-Regierung und das Forschungsnetzwerk DARPA des Pentagon möchten gerne direkt in unsere Hirne schauen. Natürlich, so wird uns versichert, geht es nur um die Heilung von Alzheimer und ähnlichen Krankheiten. Soso. Und natürlich geht es bei der neuronalen Steuerung des Menschen nur ganz selbstlos darum, dass an den Rollstuhl Gefesselte wieder glücksstrahlend gehen können.

Es gibt viele Superreiche, die der Menschheit selbstlos helfen wollen. Wir sind genötigt, uns mit Bill Gates und seinen genmanipulierenden Impfungen herumzuquälen. Aber Bill Gates will auch die Afrikaner von der Geißel der Malaria befreien. Deswegen arbeitet sein Team fieberhaft daran, Gen-Sequenzen der Malaria übertragenden Mücken so zu verändern, dass sie das Verderben bringende Gen nicht mehr übertragen <12>. Und Bill Gates wäre nicht Bill Gates, wenn er nicht auch noch die Erdatmosphäre retten würde. Die Atmosphäre soll mit Besprühung durch Chemikalien gerettet werden <13>. Und Elon Musk ist mit seinem SpaceX-Weltraumunternehmen mittlerweile ferderführend in der Weltraumfahrt, während die mit ihm vertraglich verbundene NASA nur noch der Juniorpartner und Geldgeber ist.

Es fällt auf, dass bei Schwabs Great Reset die Volksrepublik China immer mitmischt. Klaus Schwab ist, wie gesagt, ein kluger Mann. Er hat erkannt, dass der Staatsapparat für das Gelingen seines Welt-Restarts nicht ganz entbehrlich ist. Die Machtmaschine Chinas mit ihren Stabilisatoren: Volksarmee, Kommunistische Partei und Staatsapparat harmoniert auf das Vortrefflichste mit den Ambitionen der Multimilliardäre wie Jack Ma. Und wie geschmeidig, schnell und effizient diese Machtmaschine China an das neue Super-Netz 5G herangeführt hat, das macht dem sieggewohnten Westen denn doch nicht nur Eindruck, sondern auch ein bisschen Angst.

So kann man die erzwungene Duldungsstarre unserer Zivilisation durch das Corona-Regime auch als Versuch deuten, den wahrgenommenen Entwicklungsrückstand in der Vierten Industriellen Revolution gegenüber China im Hauruckverfahren aufzuholen.

Wie realistisch ist eigentlich dieser Große Reset? Ist das nur die fixe Idee einer Clique von Superreichen? Leider nicht. In meinem Buch von 2014 „Die Macher hinter den Kulissen“ <14> habe ich ganz vorsichtig gegen eine Mauer von Verdächtigungen einer vermeintlichen Verschwörungstheorie empirisch aufgezeigt, wie die in mühsamer Arbeit in Jahrhunderten erkämpften demokratischen Mitbestimmungsinstrumente für den Allgemeinwillen (volonté genérale) und das Gemeinwohl, die in den modernen Staaten fest verankert waren, von Netzwerken und Denkfabriken der Superreichen Stück für Stück unterwandert und von innen her ausgehebelt wurden. Das Ergebnis war schon 2014, dass Politiker selber an der Entkernung des Staates mitgearbeitet haben. Wie sie Steuerflucht ermöglichten und immer weiter ausbauten. Wie sie die Stiftungen als legales Steuerfluchtmittel eingeführt haben. Wie die Stiftungen, derart aufgemöbelt, neue synthetische Diskurse in die Politik einsickern ließen; erst leise, dann immer lauter herausgehobelt.

Und seit dem Erscheinen meines Buches ist die Situation nicht besser geworden, sondern immer noch deutlich schlimmer. Betrug der Anteil des am Fiskus vorbeigetricksten Unternehmergewinns in den 1970er Jahren noch etwa 5 Prozent, so gingen in den 2000er Jahren bereits über 50 Prozent an der Solidargemeinschaft der Steuerzahler vorbei. Heute ist die Quote unstreitig noch höher. Der Staat verarmt, während die Milliardäre immer reicher werden. Heute müssen die Staatschefs, siehe aktuelles Beispiel Bill Gates und seine heilige Impfung der sieben Milliarden Erdenbürger, bei den Superreichen buckeln. Sie sind von den Stiftungen und Netzwerken, nicht zuletzt dem World Economic Forum, als Führer auserkoren und ausgebildet worden. Die Weltsicht von Klaus Schwab ist selbstverständlich ihre ureigenste Weltsicht. Was denn sonst? Es ist die natürlichste Sache der Welt, öffentliches Vermögen den Superreichen auf dem Silbertablett zu servieren. Nur das private Gewinnstreben kann effektiv Gesellschaften anleiten, oder etwa nicht?!

Die Stiftungen und Netzwerke jener Auserlesenen sind auch in der Lage, mithilfe der Medien, der Kontrolle der Parteien und durch synthetisch erzeugte pseudo-oppositionelle „Basisbewegungen“; durch stiftungsfinanzierte Instrumente politischer Bildung und durch die Online-Enzyklopädie Wikipedia einen selbstreferentiellen Zangengriff gegen die letzten verbliebenen echten Demokratie-Bewegungen zu erzeugen und diese gleichermaßen geschmeidig wie andererseits auch hochgradig inzestuös durch propagandistische Versatzphrasen wie „Rechtspopulistisch“ oder „verschwörungstheoretisch“ zu ersticken. Sie entblöden sich auch nicht, in pseudowissenschaftlicher Manier eine signifikante Korrelation zwischen „Verschwörungsmentalität“ und Naturheilkunde herbei zu konstruieren <15>.

Na gut. Sie können also durchsetzen was sie wollen, jene Milliardäre. Ob sie sich denn auch gegen unbequeme Realitäten absichern können, steht auf einem anderen Blatt. Sie haben mit der Zerstörung demokratischer Instanzen und durch die Zerrüttung des gesellschaftlichen Zusammenhalts, durch die endlose Militarisierung dieser Welt, durch die Gated Communities Fakten geschaffen. Viele Zonen dieser Welt sind nicht mehr zu kontrollieren. Hier nützt auch keine noch so tolle künstliche Intelligenz, kein 5G-Netz oder Genmanipulation mehr irgendwas.

Und wie soll Synergie zwischen Mensch und Maschine entstehen in einer Welt, in der die sozialen Ungleichheiten Dimensionen angenommen haben, die in der Geschichte einmalig sind? Wenn dann noch rivalisierende Gangs von Superreichen ihre Machtkämpfe bedenkenlos ausfechten auf dem Rücken einer ganzen Nation, wie es im Augenblick in den USA der Fall ist, wo der Milliardär George Soros seine synthetische Opposition der Black Lives Matter gegen den skrupellosen Manchester-Kapitalisten Trump loslässt? Der Große Reset steht nicht auf tönernen Füßen, sondern auf einem schneidenden Scherbenhaufen. Nichtsdestoweniger wird der Große Reset uns aufoktroyiert.

Es sind also verdammt dicke Bretter zu bohren. Ist es überhaupt möglich, eine gänzlich paralysierte und völlig ahnungslose Öffentlichkeit zu wecken?

Wir müssen uns überhaupt erst einmal wieder klar werden, was wir wollen. Woher wir eigentlich kamen.

Also: wir kamen aus einer Welt, in der die Demokratie hochgehalten wurde. Wir kamen aus einer Welt, in der es soziale Gerechtigkeit gab. In unserer Welt galt, dass das Profitprinzip sich nur dort austoben darf, wo es keinen Schaden anrichten kann. Das Primat des Politischen galt. Das Gemeinwohl. Also wurden früher alle wichtigen wirtschaftlichen Tätigkeiten entweder von Genossenschaften oder öffentlich-rechtlichen Trägern durchgeführt. Und ein starker Mittelstand arbeitete basisnah von Menschen für Menschen. Das alles machte unser Leben so locker und sorglos.

Da müssen wir wieder hinkommen. Als erste Etappe. Wir müssen also unseren Staat wieder instand besetzen. Und mit einem starken durchsetzungsfähigen Steuereintreibungsapparat versehen. Schon bescheidene Steuererhöhungen für die Superreichen würden uns wieder Geldmittel für funktionierende Infrastruktur verschaffen. Zudem würde die direkte Demokratie eingeführt. Damit Sachfragen nicht an Parteiprogramme gekoppelt sind, sondern von Fall zu Fall entschieden werden können. Ein imperatives Mandat würde dafür sorgen, dass Mandatsträger jederzeit abgewählt werden können, wenn sie nicht ihren Wählerauftrag ausführen.

Nur einige Dinge, die man gegen den Großen Reset ins Feld führen muss. Wir wehren uns mit Nachdruck gegen Klaus Schwabs schöne neue Technowelt. Damit wir uns weiterhin selber steuern und bestimmen können und dabei auch ohne künstlichen neuronalen Impuls aus den Augen strahlen können.

 

Quelle: Herrmann Ploppa Buchtitel: Die Macher hinter den Kulissen


Wirtschaftliche Auswirkungen der Corona-Lockdowns  Daten und Fakten, die von unseren Leitmedien unter den Teppich gekehrt werden.

„Wir lassen Millionen von Menschen verhungern, weil sie sich sonst mit Covid infizieren könnten“

Nach Angaben der UNO1 droht durch die weltweiten Corona-Lockdowns nach westlichem Vorbild fast der Hälfte aller Arbeitskräfte der Erde eine existenzielle Bedrohung der Lebensgrundlage. „Betroffen seien vor allem 1,6 der zwei Milliarden Menschen, die irregulärer Arbeit nachgehen, also ohne Arbeitsverträge, und die oft von der Hand in den Mund leben,“ berichtet die ILO in Genf: „Für Millionen Arbeiter bedeutet kein Einkommen kein Essen, keine Sicherheit, keine Zukunft. Millionen Unternehmen rund um die Welt können kaum atmen. Sie haben keine Ersparnisse oder Zugang zu Krediten. Dies sind die wahren Gesichter der Arbeitswelt. Wenn wir ihnen jetzt nicht helfen, werden sie einfach untergehen.“ […] Das Einkommen dieser Menschen sei im weltweiten Durchschnitt um 60 Prozent eingebrochen, in Afrika und Lateinamerika sogar um mehr als 80 Prozent.2 Der Grund: 436 Millionen Unternehmen und Selbständige weltweit sind in Branchen tätig, die besonders stark unter den Lockdown-Maßnahmen leiden. Laut Wall Street Journal wird sich 2020 die Zahl der hungernden Menschen auf der Welt von 130 auf 260 Millionen verdoppeln.3 Darunter sind erfahrungsgemäß sehr viele Kinder. Davon sterben immer ziemlich viele. Vermutlich werden wir schon dieses Jahr mehrere Millionen zusätzliche Hungertote sehen, vor allem Kinder, vor allem Mädchen, vor allem Schwarze und Farbige. Der Grund: Die Covid-Lockdown-Maßnahmen, die von dem Vorbild westliche Welt ausgingen und unhinterfragt in den meisten Ländern der Dritten Welt übernommen wurden. Zum Vergleich: Die Zahl der Corona-Toten weltweit liegt momentan bei knapp 0,6 Millionen.4 Das Durchschnitts- und Medianalter der offiziell an oder mit Covid Gestorbenen liegt über 80, die meisten Covid-Toten waren mehrfach schwer vorerkrankt. Die Hungertoten in der Dritten Welt dagegen sind häufig sehr jung, es betrifft vor allem Kinder. Vermutlich werden über hundertmal so viele Lebensjahre durch die freiheitsberaubenden Covid-Restriktionen zerstört als gerettet. Ein sehr aufrichtiger Journalist brachte kürzlich den Sachverhalt gut auf den Punkt: „Auf keinen Fall hätten wir Corona-Gläubigen voraussehen können, dass diese Tagelöhner, Wanderarbeiter, Straßenhändler und sonstigen krass-prekär Beschäftigten des informellen Sektors in der Dritten Welt nach wenigen Tagen Ausgangssperre hungern würden. Wir können doch deshalb die Corona-Ausnahmezustandsmaßnahmen nicht aufheben. Nein, dann stürben doch die armen Verhungernden an Corona. Bevor die an Corona sterben, ist es besser die verhungern. Hauptsache die sterben nicht an Corona.“5 Ein Beispiel: In Indien brachen Exporte und Importe im April 2020 gegenüber dem Vorjahr um 60 Prozent ein, im Mai waren es 37 (Exporte) und 51 Prozent (Importe). Es wurden etwa 100 Millionen Inder durch die Covid-Lockdowns in die Arbeitslosigkeit geschickt.6 36 Länder der Dritten Welt stehen laut Wall Street Journal vor starken Schuldenproblemen. In Banksprache: Die Bonität vieler Bonds wackelt. Ich war sieben Jahre Investment Banker und denke, diese Finanzprobleme werden für einige Länder und viele hundert Millionen Menschen übel ausgehen. Denn die Weltkonjunktur und damit Gewinne und Cash Flows, also die Fähigkeit, Schulden zurückzuzahlen, geht in den Keller, die ausstehenden Schulden bleiben jedoch bestehen, genauer: sie schießen momentan sogar nach oben. Das kann schwerlich ohne Schuldenausfall, Schuldenschnitt, Schuldenverzicht oder Insolvenzen funktionieren. Diese führen häufig zu Finanzkrisen, Währungsturbulenzen und Import-/ Export-Problemen in den betroffenen Ländern. Begleitet wird das meistens von hoher Arbeitslosigkeit, Armut, Elend und sozialen Unruhen. Der Grund für die kommende Bondkrise: Corona-Lockdowns weltweit nach westlichem, nach unserem Vorbild. Dadurch produzieren wir in den armen Ländern dieser Welt Elend, Leid und Tod in ungeheurem Ausmaß. Die Situation in den USA: Von 21. März bis 4. Juli 2020 haben sich in den USA 50 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet.7 Die offizielle Arbeitslosenrate lag im Juni 2020 bei 11,1, die Jugendarbeitslosigkeit bei 20,7 Prozent.8 Fachleute weisen allerdings darauf hin, dass die offizielle Arbeitslosenquote zu niedrig wiedergegeben wird. Laut Wall Street Journal fanden im Mai in den USA über 30 Prozent der 16-19-Jährigen keinen Job. Besonders hart betroffen: Schwarze. Ende April 2020 waren in den USA etwa 40 Prozent der US-Haushalte mit Kindern unter 13 „food insecure“, das heißt, die befragten Mütter wussten nicht, wie sie ihre Kinder ernähren sollen. Der Anteil der Mütter mit Kindern unter 13, die berichteten, dass das eingekaufte Essen nicht reicht, erhöhte sich durch den Lockdown um 170 Prozent gegenüber 2018.9 Einer der Gründe: Schon vor der derzeitigen Lockdown-induzierten Wirtschaftsdepression waren die Vermögen der untersten 20 Prozent der US-Haushalte – zwischen 2007 und 2019 – laut Wall Street Journal um etwa ein Drittel gefallen, ihre Einkommen waren in diesen 12 Jahren real um 2 Prozent zurückgegangen.10 Dann kam der Lockdown. Er hat das unterste Fünftel der US-Bevölkerung entsprechend hart erwischt, vor allem die Minderheiten, die Schwarzen und die Farbigen. Im unteren Viertel der US-Bevölkerung ist die Arbeitslosenquote laut Wall Street Journal mit über 30 Prozent sehr viel höher als im Landesdurchschnitt, weil die unqualifizierten Tätigkeiten häufig sehr service-orientiert sind und dort wenig home office möglich ist. Ein Blick nach Deutschland: Die offizielle Arbeitslosenrate lag im Mai bei 3,9 Prozent. Das entspricht 2,85 Millionen Menschen.11 Dazu kamen im April (neuere Daten liegen leider nicht vor) 6,8 Millionen Menschen in Kurzarbeit.12 Das waren insgesamt also etwa 9,7 Millionen Arbeitnehmer von insgesamt ungefähr 45 Millionen Beschäftigten bei uns. Also mehr als 21 Prozent der Arbeitnehmer haben im April nicht normal, nicht voll oder gar nicht gearbeitet. Allerdings sind das alles letztlich nur Schätzungen. Laut der arbeitgebernahen Denkfabrik Agenda Austria beliefen sich Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit zusammen in Deutschland im April auf 30 Prozent. Zum Vergleich: In Schweden auf 14 Prozent.13 In Baden-Württemberg war im April jedes vierte Produktionsunternehmen geschlossen. Die Auftragseingänge der Industrie sind von Januar bis April gegenüber dem Vorjahr deutschlandweit um 38 Prozent gesunken. Im Mai lagen sie um 29 Prozent unter Vorjahr. In der Automobilindustrie waren die Auftragseingänge im April 47 Prozent unter dem Niveau von Februar 2020.14 Das verheißt für die kommenden Monate nichts Gutes auf dem Arbeitsmarkt. Daimler gab am 11.7. bekannt, dass 15.000 Stellen abgebaut würden.15 Exporte und Importe sind bis Mai 2020 implodiert.16 Die meisten Menschen in unserem Land haben nach meiner Einschätzung noch nicht realisiert, dass die eigentliche Krise den Arbeitsmarkt erst in den kommenden Monaten in voller Wucht erfassen und einige Jahre dauern wird. Viele Menschen werden durch das Kurzarbeitergeld in der Illusion gewiegt, dass bald alles wieder normal sein wird. Kurzarbeitergeld – so sinnvoll diese Maßnahme auch ist – ist aus psychologischer Sicht gewissermaßen Opium für die Arbeitnehmer. Sie werden dadurch über den eigentlichen Ernst der Lage betäubt. Viele Menschen glauben immer noch an eine Art V-Aufschwung, steil bergab mit der Konjunktur und dann wieder steil bergauf, und haben Angst vor einer „zweiten Welle“ bei Corona-Infektionen. Das ist in meinen Augen völlig absurd. Eine „zweite Welle“ ist für die große Mehrheit der Menschen, für über 80 Prozent laut Johns Hopkins University17, nämlich junge, gesunde, nicht multimorbid Vorerkrankte, weitgehend harmlos, genauso wie die erste Welle. Nicht aber der kommende Absturz am Arbeitsmarkt. Vor dem könnten die Menschen zu Recht Angst haben. Die Angst ist vollkommen fehlgelenkt. Und das ist kein Zufall, sondern gewollt und bewusst herbeigeführt, denn davon profitieren einige Finanzakteure in gigantischem Ausmaß.18 Die Fehleinschätzung über die künftige wirtschaftliche Entwicklung geht hauptsächlich von den Ökonomen aus. Mit wenigen Ausnahmen, z.B. dem Leiter des ifo-Instituts, unterschätzten die allermeisten Mainstream-Ökonomen ebenso wie 2007 vollkommen das Ausmaß der aktuellen Krise. Der Grund dafür ist meiner Meinung nach, dass die zu Grunde liegenden mathematischen ökonomischen Modelle auf falschen, schädlichen, ideologischen Grundannahmen aufbauen und daher bestimmte gefährliche strukturelle Fehlentwicklungen nicht erkennen können.19 Das ist, wie wenn man eine Brille mit Milchglas für bestimmte Fragestellungen auf hätte. Ein paar Beispiele: Der Internationale Währungsfonds prognostizierte am 20.3.2020 für Italien einen BIP-Rückgang 2020 von 0,6 Prozent.20 Mittlerweile liegt die Schrumpfungsschätzung bei über 10 Prozent. Am 4.4.2020 rechnete der IWF mit einer Schrumpfung des Welt-BIP von drei Prozent.21 Auch das ist mittlerweile überholt. Unsere Wirtschaftsweisen, der Sachverständigenrat, rechnete am 30.3. mit einem BIP-Rückgang in Deutschland von 2,8 Prozent, „gefolgt von einem raschen Aufschwung“. Der Abschwung werde keinesfalls so schlimm sein wie der von 2009. „Es gebe „keine massiven strukturellen Verwerfungen“.22 Das ist in meinen Augen eine absolute Fehlprognose. Die Wirtschaftsweisen haben bereits bei der Krise 2007-2009 gänzlich danebengelegen. Der Titel eines Artikels in der konservativen Schweizer NZZ am 13.3.2020 ist sehr zutreffend: „Blinde Ökonomen“. Allerdings waren die Ökonomen der NZZ in ihren Analysen und Prognosen auch nicht besser als andere. Gerade sie haben eine besonders dicke Milchglas-Brille mit den neoliberalen Ökonomie-Dogmen auf. Aus den führenden US-Großbanken kommen mittlerweile andere Töne. „Unsere Einschätzung zu Länge und Tiefe des Wirtschaftsabschwungs hat sich gravierend verschlechtert“ wurde am 14.7.2020 der Chef der US-Großbank Wells Fargo, Charles Scharf, im Wall Street Journal zitiert. Die drei Großbanken JPMorgan Chase, Citigroup und Wells Fargo haben mittlerweile 83 Milliarden Dollar Vorsorge für erwartete Kreditausfälle getroffen. Der Chef von JPMorgan Chase, James Dimon wurde im selben Artikel des Wall Street Journal mit den Worten zitiert: „Dies ist keine normale Rezession. Der eigentliche Abschwung kommt erst noch.“23 Das deutet auf den eigentlichen Kern der Sache hin: Das ist keine normale Rezession, sondern etwas GANZ ANDERES. Nicht umsonst saß JPMorgan Chase schon bei Beginn der Krise auf über 2000 Milliarden Dollar Cash. Meiner Einschätzung nach hat James Dimon, ebenso wie einige andere Akteure an der Wall Street KEINE Milchglas-Brille auf, sondern sieht die kommenden Entwicklungen SEHR klar. Je mehr die große Menge der Ökonomen irrt und diese Irrtümer in den großen Medien verbreitet werden, umso bessere Geschäfte kann man machen, wenn man weiß, wohin die Reise IN WIRKLICHKEIT geht. Zuletzt sei noch auf den Vergleich mit Schweden hingewiesen, der zeigt, dass die schwedische Wirtschaft durch ihre gemäßigte Corona-Politik ungleich besser fährt als die deutsche, auch wenn in den meisten Leitmedien ständig das Gegenteil der Wahrheit berichtet wird. Das Wirtschaftswachstum in Deutschland betrug im ersten Quartal 2020 minus 2,3% gegenüber dem Vorjahr, in Schweden plus 0,4%.24 Die Autokäufe verzeichneten in Deutschland einen dramatischen Einbruch in den Monaten März-Juni, in Schweden gab es nur einen vergleichsweise mäßigen Rückgang, der nicht halb so stark war wie in Deutschland. Die Importe, die ein guter Indikator für die Binnennachfrage sind, erlebten in Deutschland einen dramatischen Einbruch, sie fielen zurück auf das Niveau von 2014, in Schweden fielen sie längst nicht so stark und ermäßigten sich auf das Niveau von 2017. Auch andere Zahlen wie Verkehrsbewegungen oder Stromverbrauch zeigen, dass Schweden ökonomisch sehr viel besser durch die Krise kam als beispielsweise Österreich25, das ähnliche Covid-Lockdown-Maßnahmen ergriff wie Deutschland. Warum habe ich diese Zahlen zusammengestellt? Weil sie in den Leitmedien systematisch – und mit systematisch meine ich bewusst, mit Absicht und geplant – unter den Teppich gekehrt und verschwiegen werden. Das hat auch einen Grund. Denn das Nicht-Beachten und Nicht-Berichten über diese Zahlen, Daten und Fakten soll das gängige Narrativ von der Notwendigkeit und Richtigkeit der grundrechtseinschränkenden Lockdown-Maßnahmen der Regierung bestätigen. Nur durch Ausklammern dieser tragischen weltweiten Entwicklungen können wir in unserem Land (sowie in zahllosen anderen Ländern) auch heute noch die zahlreichen Covid-Einschränkungen rechtfertigen: Die unmenschliche, unsinnige Masken-Pflicht, die uns ständig in Angst halten soll; die überwachende Corona-App, die uns ständig an die Gefahr erinnern soll und die zahllosen anderen noch immer zu Unrecht bestehenden freiheitseinschränkenden Reglementierungen. Diese Zahlen, Daten und Fakten zeigen, dass die in unserem Land und weltweit praktizierten freiheitseinschränkenden Covid-Maßnahmen vollkommen unverhältnismäßig waren und sind. Sie richten einen ungleich viel höheren Schaden an, als sie Nutzen stiften. Die Kur ist um ein vielfaches schlimmer als die Krankheit Corona. Ich möchte daher noch einmal den Alternativ-Journalisten Jens Wernicke, der den Sachverhalt sehr gut auf den Punkt bringt, sinngemäß zitieren: Wir lassen Millionen von Menschen verhungern, weil sie sich sonst mit Covid infizieren könnten.

Quelle: Christian Kreiß Buchtitel:Geplanter Verschleiß – Wie die Industrie uns zu immer mehr und immer schnellerem Konsum antreibt – und wie wir uns dagegen wehren können (2014)